NEONSCHWARZ: Alte Schiene, neue Themen


Neonschwarz präsentieren das vierte Album Morgengrauen

Von Peter Osteried


NEONSCHWARZ

Morgengrauen

(Audiolith)

Bereits erschienen

Die Hamburger Hip-Hop-Band Neonschwarz gibt es seit nun mehr zehn Jahren. Zuvor haben Johnny Mauser und Captain Gips aber auch schon Musik gemacht. Anlässlich der Veröffentlichung von Morgengrauen stand Johnny Mauser für ein Interview parat.

 

Wie würdest du die Entwicklung von Neonschwarz vom ersten zum aktuellsten Album sehen?

Vom Stil her sind wir uns treu geblieben, thematisch haben sich die Themen aber auch weiterentwickelt. Am Anfang haben wir uns sehr stark an Rassismus und der Gesellschaft abgearbeitet, aber unsere Themen sind jetzt weiter gesteckt. Also im Grunde genommen fahren wir die alte Schiene mit neuen Inhalten.

 

Wie entstehen die einzelnen Songs? Bei vier Musikern hat doch sicher jeder eine Meinung …

Ja, in diesem Fall haben wir das Album in Hamburg aufgenommen – und zwar über einen langen Zeitraum. Es gab bei den Songs einige Diskussionen. Bei uns befassen sich alle mit den Texten und natürlich spricht man darüber, weil eben jeder textet. Einer von uns hat eine erste Idee und ersten Textvorschlag, und dann steigen die anderen mit ein.

 

Mit einem deiner ersten Songs landete das Album Neonschwarz gleich auf dem Index. Gehört es zu einer anständigen Band-Vita dazu, dass man auch mal indiziert wird? So was wie eine Adelung durch den Mainstream?

Das hat uns auf jeden Fall positiv beflügelt, was die Aufmerksamkeit in der Öffentlichkeit anging. Wir dürfen das Album nicht verkaufen, da es auf dem Index steht, aber das steigert natürlich auch das Interesse. Der Albumtitel trifft ganz gut, was wir machen und darum haben wir uns damals danach benannt. Wir kümmern uns um ernste und düstere Themen, aber unsere Verpackung ist nicht so düster; das ist dann die Neonseite. Dass wir eben auch tanzbare Musik machen und über Live-Shows agieren. Die positive Grundstimmung herrscht immer vor.

 

Hast du verstanden, wieso die Bundeszentrale für Kinder- und Jugendmedienschutz von Flora bleibt getriggert wurde?

Also ich weiß, wie es dazu gekommen ist. Das ist eher eine politische Indizierung. Damals war die Stimmung in Hamburg ziemlich aufgeheizt mit der linken Szene und der roten Flora. Aber es ist an sich überhaupt nicht nachvollziehbar, denn wenn man das mit Hip-Hop-Songs vergleicht, in denen es um Vergewaltigungen, Drogendeals oder Waffengewalt geht und das alles in weit heftigerer Sprache.  

 

Wenn heute ein neuer Song entsteht, denkt ihr da drüber nach, ob man die BPJM mal wieder auf die Palme bringen könnte?

Das ist das, was ich eben meinte. Man wird älter und irgendwie auch ein bisschen ruhiger. Wir lehnen Dinge nicht mehr so radikal ab, wie früher. Als 22-jähriger bin ich eher jede Woche auf eine Demo gefahren. Das mache ich heute nicht mehr. Dementsprechend würde so ein Song über Straßengewalt jetzt auch nicht unbedingt unsere Lebensrealität widerspiegeln. Es kommt also nicht vor, dass wir uns bei den Songs Gedanken machen, ob das nun Schwierigkeiten mit sich bringen könnte oder nicht.

 

Sind eure Fans dann mit euch alt geworden?

Gute Frage. Ich denke schon, aber neue Fans kommen auch dazu. Bei Touren sieht man schon, dass eine feste Fanbasis da ist, aber man entdeckt auch jüngere Gesichter und merkt, dass man inzwischen doppelt so alt wie die ist. Es kommen auch Eltern mit ihren Kindern zu uns.

 

Welcher Song des neuen Albums ist das Neonschwarz-Highlight?

Tja, schwierig. Aber die Rap-Schiene mit den Songs  wie ´Features´, ´Mix´ und ´Gimma´ bevorzuge ich. Das kommt sonst vielleicht etwas zu kurz. Ich selber mag den etwas roheren Hip-Hop, darum feiere ich diese Tracks besonders ab.

 

Wo habt ihr das Video zu Hitzefrei gedreht? Das Interieur des U-Boots? Die Berge? Wie mühselig war es – als Nordlicht in den Bergen?

In einem Museums-U-Boot im Hamburger Hafen. Da waren wir vorher tatsächlich noch nie drin. Das ist in der Nähe des Fischmarkts und so eine Touri-Sache, aber es bot sich an. Unser DJ Spion Y war in den Bergen mit einer Drohne unterwegs – auf Europatour. Wo genau, weiß ich gar nicht, aber irgendwo in Österreich.

 

Als Nordlicht in den Bergen rumlaufen ist ja auch nicht gerade unanstrengend.

Hat er geschafft, ne? Hätte ich ihm auch nicht zugetraut. Da war er tatsächlich alleine unterwegs.

 

Warst du froh, dass du nicht in die Berge musstest?

Ne, ich mag die Berge voll gern. Im Sommer war ich in Oberstdorf zum Entspannen. Die strahlen so eine schöne Ruhe aus.

 

In Corona-Zeiten fallen fast alle Live-Aktivitäten flach. Habt ihr die Zeit genutzt, um schon an einem weiteren Album zu basteln?

Morgengrauen entstand in der Haupt-Lockdown-Phase. Das hat es natürlich nicht leichter gemacht, aber in den letzten Monaten haben wir uns auf dieses Album konzentriert.

 

Langsam gibt es auch wieder Live-Auftritte?

Genau, das ist natürlich immer spannend, weil man nicht weiß, wie es sich entwickelt. Unser erstes Konzert wird am 19. März sein. Könnte mit Glück genau in die Öffnungszeit fallen. Aber es ist schon merkwürdig, jetzt zu proben und nicht wirklich zu wissen, ob sich das umsetzen lässt.

 

Es wird ja auch merkwürdig sein, im Club von der Bühne hinunterzusehen und nur eine halbbesetze Location vor sich zu haben?

Was wir nicht machen würden, wäre so ein Sitzkonzert oder so. Da hätten wir keinen Bock drauf. So war das ja im letzten Sommer, dass die Leute da mit Abstand saßen. Das ist nichts für uns. Im Club geht es dann schon, aber es ist natürlich eine schwierige Angelegenheit, und das nicht nur für uns. Einige Künstler mussten ihre Tour schon verschieben. Wir wollten aber eh erstmal Pause machen, so dass wir wegen Corona bisher noch kein Konzert absagen mussten.

 

Das ist natürlich Glück, ja. Auf der anderen Seite ist es wohl auch schwierig, wenn man ein Album produziert und dann nicht mit den neuen Stücken auftreten und die Resonanz sehen kann.

Das stimmt, ja. Wir hatten schon gedacht, dass wir nach der Veröffentlichung des Albums gleich auf Tour gehen könnten. Aber jetzt wird es doch irgendwie knapp.

 

Die meisten hatten ja auf Entspannung gehofft.

Ja, drücken wir mal alle die Daumen.

 

Möchtest du noch etwas in Bezug auf das neue Album sagen?

Die Produktion war ein langer Prozess. Die Songs lagen nun ja teilweise ein halbes Jahr rum. Dafür hatte man mehr Zeit, an denen zu feilen. Der Stress, der häufig zugegen ist, war diesmal deutlich weniger. Die ruhige Herangehensweise war für uns etwas Besonderes, ebenso, dass wir ein Studio in Hamburg hatten. Das war eine entspannte Geschichte.

 

Macht ihr noch weitere Videos zum neuen Album?

Es kommt noch eine Single kurz vor dem Album, aber ein Video machen wir nicht dazu.

 

Seid ihr eher hands-on beim Dreh des Videos?

Also Spion ist so etwas wie unser Video-Beauftragter. Der bringt sich am meisten ein. Wir haben natürlich nur ein kleines Budget, aber Spion hat da immer gute Ideen.


Wir nutzen Cookies auf unserer Website. Einige von ihnen sind essenziell für den Betrieb der Seite, während andere uns helfen, diese Website und die Nutzererfahrung zu verbessern (Tracking Cookies). Sie können selbst entscheiden, ob Sie die Cookies zulassen möchten. Bitte beachten Sie, dass bei einer Ablehnung womöglich nicht mehr alle Funktionalitäten der Seite zur Verfügung stehen.