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Keine Zeit zum Chillen


Bunch Of Ace starten richtig durch.

„Das ist unsere Chance, unsere Musik zu zeigen, also geben wir unser Bestes!“

„Die Einigung Europas ist ein steiniger Weg, der über die Jahre mit immer wieder empfindlichen Rückschlägen und Irrwegen verbunden ist.“

„Wir mögen es, mit Metaphern und Wörtern herumzuspielen, denn für uns sind die Lyrics eines Songs wichtig.“

„Nicht alles ist einfach, es stecken viel Arbeit und Herzblut in unserer Musik.“

„Wenn man merkt, dass es ohne Cut nicht weitergeht, muss man eben bereit sein, die Richtung zu wechseln.“


Von Reinhard Prahl

Bunch Of Ace legen als Musikerinnen ein Wahnsinnstempo vor. Während andere Teenager in ihrer Freizeit chillen oder Party machen, komponieren die Zwillinge Alessja und Alandra neben der Schule einen starken Song nach dem anderen. Im September erscheint mit Scheinleben der neueste Titel, und das, obwohl ihr international gespielter Sommerhit Feel The Sunshine und der tiefsinnige Tears Of A River gerade erst vor Kurzem das Licht der musikalischen Welt erblickt haben.

Worum es in Scheinleben geht, verraten die leidenschaftlich Gitarre und Schlagzeug spielenden Schwestern nur ansatzweise: Social Media. Wer die Texte von Bunch Of Ace kennt, hat aber eine gute Vorstellung davon, dass die Meinung von Alessja und Alandra zum Thema alles andere als von Naivität geprägt ist. Dasselbe gilt übrigens, wenn man sich mit den beiden über ernste Themen unterhält, wie unser ausführliches Interview mit ihnen beweist: Geld und Reichtum? Der steinige Weg Europas zur Einigkeit? Das sind nur zwei der Themen, die den Schülerinnen und Musikerinnen im Kopf herumspuken. Wie sie ihre Gedanken in Worte und Musik fassen und wie ihre Songs entstehen, verraten sie uns im ausführlichen Interview. 

Ein Herzblut-Auftritt

Liebe Alessja, liebe Alandra. Seit unserem letzten Interview ist eine ganze Menge passiert. Ihr habt drei neue Singles veröffentlicht und den vierten Platz beim Welcome-To-Europe-Songcontest im Europa-Park Rust belegt. Wie fühlt es sich an, eine so tolle Bestätigung für die harte Arbeit der letzten Jahre und Monate zu bekommen?

Fantastisch! Wir stecken echt viel Herzblut in unsere Musik und üben sehr viel. Das ganze Team arbeitet zusammen daran, dass die Singles und das deutsche Album, das gerade in Arbeit ist, so perfekt wie möglich werden. Da tut es gut, positive Rückmeldungen zu bekommen! Wir merken, dass wir uns immer weiterentwickeln.

Ihr seid ja schon öfter live aufgetreten, aber noch nie zuvor in einem so großen Rahmen. Wie nervös wart ihr vor eurem Auftritt?

Wir waren sehr aufgeregt – immerhin war uns auch klar, dass wir vor ziemlich vielen Leuten singen werden. Aber dann haben wir uns gesagt: Wir können das! Das ist unsere Chance, unsere Musik zu zeigen, also geben wir unser Bestes! Mit diesem Ziel sind wir dann auf die Bühne und haben einfach Spaß gehabt – zumal das Publikum richtig gut drauf war und super mitgemacht hat. 

Euer Finalsong war Tears Of A River, doch das war nicht der erste Titel, der im Juni 2026 erschienen ist. Am 5. Juni habt ihr bereits den smarten Sommerhit Feel The Sunshinevorgelegt. Der Titel ist nicht nur gut tanzbar, sondern durch und durch auf gute Laune ausgelegt. Wie seid ihr auf den Text gekommen?

Der Song ist im Winter entstanden, als bei uns in Niedersachsen wieder mal Regen, Regen und dann Regen angesagt war. Die Zeile „Feel the sunshine“ war erst ein kleiner familiärer Running-Gag und dann haben wir angefangen, einen Song daraus zu bauen. Wahrscheinlich wäre uns im Sommerurlaub weniger zum Thema Sommer eingefallen.

Kälteschock und Sommerfeeling 

In einem TikTok-Video habt ihr erzählt, dass ihr das offizielle Video zu Feel The Sunshine bei nur 16 Grad am Strand gedreht habt. Wie habt ihr es geschafft, trotzdem das Gefühl zu vermitteln, bei 28 Grad auf den Kanaren oder auf Mallorca zu chillen?

Das war echt nicht einfach, aber da hieß es schlichtweg: Augen zu und durch – oder besser: Lächeln, singen und durch. Schließlich wollten wir ein gutes Video drehen! Hinzu kommt, dass man sich nach einiger Zeit auch an die Außentemperatur gewöhnt hat. Zuletzt haben wir die Szenen im Wasser gedreht, da waren die Glieder eh schon völlig taub – trotzdem hatten wir echt viel Spaß daran. Klasse, wenn wirklich Sommer-Feeling rüberkommt …

Wie viel Schauspieler(in) muss eurer Meinung nach demnach in einem Pop-Star stecken?

Schauspiel und vor allem auch Tanzen gehören definitiv dazu. Tatsächlich kommen heute einige bekannte Pop-Stars eher vom Tanzen als von der Musik. Wir sind gerade dabei, uns in diesem Bereich zu entwickeln, aber durch Schule und Musik ist die Zeit natürlich begrenzt. Trotzdem ist es immer spannend, in verschiedene kreative Bereiche einzutauchen. Schauspiel gehört dabei definitiv auch dazu – immerhin wird in jedem unserer Songs eine andere kleine Geschichte erzählt.

Der Text von Feel The Sunshine ist in Deutsch und Englisch verfasst. Wie lange habt ihr an dem Text gefeilt?

Die Idee zum Text war schnell da – nur bis der Text dann wirklich fertig war, hat es ein bisschen gedauert. Wir haben immer wieder daran gefeilt, viele Zeilen haben wir noch beim Üben geändert … aber was soll man Weihnachten sonst schon machen?

Warum habt ihr euch für den Sprach-Mix entschieden?

Eigentlich war das keine richtige „Entscheidung“, sondern mehr eine Entwicklung. Es haben sich immer mehr englische Wörter eingeschlichen, beginnend mit der englischen Hauptzeile des Refrains, sodass wir am Ende dachten: Eigentlich ist das schon zweisprachig. Das kommt super an, da der Song vor allem international Resonanz gefunden hat. Er wird in Brasilien in der Sommer-Rotation in jedem Mäcces gespielt und selbst Independent-Sender in UK und Frankreich spielen ihn immer wieder. Einer der Moderatoren hat uns geschrieben, dass er sich wirklich wie am Strand fühlt, weil man dort auch immer verschiedene Sprachen nebeneinander hören kann. 

Ein Statement für Europa

Lasst uns über Tears Of A River reden, mit dem ihr beim Welcome-To-Europe-Contest 2026 aufgetreten seid. In eurer Pressemitteilung zum Song ist zu lesen, dass der Text „ein musikalisches Zeichen für die europäische Gemeinschaft“ ist. Auf den ersten Blick könnte man den Inhalt aber auch als Metapher für euren Weg zu Profimusikerinnen verstehen. War diese mögliche Doppeldeutigkeit die Absicht dahinter?

Wir haben den Text tatsächlich bewusst abstrakt gehalten. Trotzdem geht es in erster Linie um die europäische Einigung und einen europäischen Weg. Die Einigung Europas ist ein steiniger Weg, der über die Jahre immer wieder mit empfindlichen Rückschlägen und Irrwegen verbunden ist. Es gibt Fortschritte und berechtigte Skepsis, aber letztlich muss jedem klar sein, dass ewige Konfrontation keine Option ist.

Allerdings hat jeder gleichzeitig auch seinen ganz persönlichen Weg vor sich, der auch nicht immer einfach und schön sein wird. Mit Tears Of A River zeigen wir, dass wir trotzdem zuversichtlich sind, dass diese Hindernisse überwunden werden können, auch wenn es vielleicht seine Zeit braucht. Natürlich bezieht sich das auch auf uns und unseren Weg. Nicht alles ist einfach, es stecken viel Arbeit und Herzblut in unserer Musik. Es gibt Leute, die sich nur an Klickzahlen orientieren, sprich die vor allem das Geld sehen, wenn sie Musik beurteilen. Aber wir treffen auch auf viele Menschen, denen es um die Musik geht, und das macht uns wirklich Mut. Wir freuen uns über jeden, der unsere Musik gerne hört, über unsere noch kleine Fangemeinde und sind stolz auf unsere Zusammenarbeit mit internationalen Musikern.

Ihr seid 17 Jahre. Als außenstehende Person denkt man da eher an unbeschwerte Party-Wochenenden, erste Liebe und Schulnöte. Ihr schreibt stattdessen einen Song darüber, dass Fortschritt nicht von heute auf morgen entsteht, „sondern durch Geduld, Offenheit und die Bereitschaft, langfristig Verantwortung für Frieden, Zusammenhalt und Solidarität zu übernehmen“. Wie sehr sorgt ihr euch um den Frieden in Europa und die Zukunft?

Die Sorgen sind groß, und man hat das Gefühl, es kommen ständig neue Probleme dazu. Wir waren zwölf, als der Krieg in Europa begann, da darf man sich schon Sorgen machen und hoffen, dass dieser – und auch andere Konflikte – bald ein Ende finden. Genau deswegen ist es wichtig, die Hoffnung nicht zu verlieren und das Ziel Frieden und Zusammenhalt nicht aus den Augen zu verlieren. Songs über Partys und erste Liebe haben wir übrigens auch schon veröffentlicht, zum Beispiel Sweet 16.

Musikalisch betrachtet weist Tears Of A River starke Europop-Vibes auf und klingt mit seinem eingängigen Refrain nach einem puren Dancefloor-Titel. Erst beim näheren Hinhören offenbart sich schließlich die Botschaft. Spielt ihr gerne mit solchen scheinbaren Gegensätzen? 

Auf jeden Fall! Für uns hat jeder Song ein bestimmtes Thema, mit dem wir etwas verarbeiten, dem wir entweder selbst oder durch andere begegnet sind. Wir wollen zeigen, dass es sich immer lohnt, auch auf den Text zu hören, der ab und zu auch einen Kontrast zur Musik darstellt. Für uns ist es wichtig, dass auch eine Verbindung zwischen Song und Lyrics besteht, und das können manchmal auch bewusst gesetzte Gegensätze sein.

Im goldenen Käfig

Euer aktueller Song trägt den Titel Käfig aus Gold und erzählt die Geschichte einer Person, die alles hat, was man sich wünschen kann, in Wirklichkeit aber nur ein Vorzeigeobjekt ist und sich deshalb innerlich leer fühlt. Auf welchen Beobachtungen beruht der Text?

Wir wollen zeigen, dass Gold (bzw. Reichtum und Show) nicht alles ist, sondern vor allem auch die menschlichen Werte zählen. Oft geht es, auch verursacht durch die diversen Social-Media-Plattformen, nur darum, sich gut zu präsentieren, einen guten Eindruck zu machen und Macht zu zeigen, wobei die wichtigsten Dinge verloren gehen. In Käfig aus Gold gibt es ein Erwachen, die Protagonistin erkennt, dass ihr Umfeld sich eigentlich gar nicht wirklich für sie interessiert und Gefühle an Gewicht verlieren – und daraus will sie entfliehen.

Am Ende des Songs befreit sich eure Protagonistin aus ihrem Käfig aus Gold und schließt mit den Worten „Dein Gold war einfach nur Ballast“, Muss man eurer Meinung nach manchmal einen harten Cut im Leben machen und die harte Wahrheit akzeptieren, um weiterzukommen und einen Neuanfang zu wagen?

Wir hatten schon bei unserem Song Hater klar Position bezogen: Trenne dich radikal von Dingen und auch Menschen, die dir nicht guttun (oder nichts Gutes wollen). Wenn man merkt, dass es ohne Cut nicht weitergeht, muss man eben bereit sein, die Richtung zu wechseln, denn stehen zu bleiben oder gar zurückzuweichen und unglücklich zu sein, kann ja wohl kaum eine Lösung sein.

Szene-Partys in Paris, Designerbrillen, die weite Welt und ein Leben auf der Überholspur. Beschreibt das andererseits nicht irgendwie auch das Leben eines Popstars?

Ja schon, zumindest den Stereotyp, in dem man sich große Popstars vorstellt. Aber auch Popstars sind Menschen und brauchen menschliche Nähe – die im Ruhm verloren gehen könnte. Sobald wir „da oben“ sind, werden wir gerne darüber berichten.

Für das Arrangement des Songs habt ihr euch für südamerikanisch angehauchte Konzertgitarrenklänge mit sanften Pickings, kombiniert mit einer poppigen Bassdrum entschieden. Da werden Erinnerungen an die Deutschpop-Szene der 2010er Jahre wach. Habt ihr da gewisse Vorbilder, oder ist das purer Zufall?

Hier können wir nur antworten: Das ist Zufall. Irgendwie begegnet einem bei jedem Song irgendwo ein Vorbild, wenn man nur lange genug sucht. Schließlich sind unsere Kompositionen ein Resultat aus dem, was wir vorher gehört haben. Generell hören wir viele verschiedene Arten von Musik: vom Jazz und Blues der 50er, über die Popkultur der 80er, aber auch viel Pop Rock der 2000er und, so schließt sich der Kreis, auch Deutschpop der 2010er und noch vieles mehr. Bei Käfig aus Gold war die Idee, das Thema mit richtigen Summer-Vibes zu verbinden, die einerseits die Designerbrillen und die Beachparty-Atmosphäre transportieren, aber auch mit einer positiven, befreienden Entwicklung zum Schluss.

Zwischen Poesie und Singbarkeit 

Es fällt auf, dass ihr in euren Texten nicht nur oft mit starken Bildern arbeitet, sondern auch gerne ins Lyrische hineingleitet. Gute Beispiele dafür sind „Alte Sorgen fliegen fort. Kein Gewicht an diesem Ort“ in Feel The Sunshine oder „Dunkle Träume – kein Gefühl“ und „Alles glänzt, doch nichts berührt“ in Käfig aus Gold. Wie viel Poetenherz steckt in Alessja und Alandra?

Wir mögen es, mit Metaphern und Wörtern herumzuspielen, denn für uns sind die Lyrics eines Songs wichtig. Alessja liest sehr gerne Shakespeare, und ihr Lieblingsbuch ist „Stolz und Vorurteil“ von Jane Austen, schon dadurch schleicht sich manch poetischer Vers ein. Wir bemühen uns, die Texte auch lyrisch interessant zu gestalten, konzentrieren uns weniger auf reine Provokation – auch weil sie immer mehr von einem Stilmittel zum reinen Marketing-Instrument wird. Wir probieren immer ziemlich viel aus – wodurch sich die Textfindung manchmal etwas in die Länge zieht, bis wir die für uns perfekte Phrase gefunden haben.

Ihr habt eure neuen Songs in Riga zusammen mit dem Arrangeur Edgars Jass produziert. Wie kam es zu dieser Entscheidung?

Wir haben Edgars bei einem Besuch von mehreren Musikern bei uns in Deutschland kennengelernt. Damals ist spontan und mit viel Spaß das Arrangement unseres Songs Apple Tree entstanden. Im Grunde arbeiten wir seitdem mit ihm und haben dann unsere Zusammenarbeit mit unserem No-Trouble-Album und den Weihnachtssongs vertieft. 

Ihr kommt aus Niedersachsen. Wäre es da nicht praktischer gewesen, mit einem deutschen Produzenten zusammenzuarbeiten?

Es gab nie die Entscheidung: Wir sind jetzt eine Pop-Band und nun suchen wir einen Produzenten. Wir hatten bereits die Songs Apple Tree und Everyday komponiert und im Rahmen eines Besuchs bei uns hat Edgars diese arrangiert – wir waren 14 zu der Zeit. Die Chemie hat einfach gepasst – musikalisch und menschlich. Seitdem arbeiten wir zusammen, wodurch wir auch sehr international aufgestellt sind.

Ihr produziert derzeit ein deutsches und ein englischsprachiges Album. Warum diese Trennung, wenn doch beides zu Bunch Of Ace gehört?

Für uns ist das Experimentieren mit den verschiedenen Sprachen eine weitere Möglichkeit, uns auszudrücken, da je nach Sprache auch immer unterschiedliche Songs und Vibes entstehen. Manchmal, wie bei Feel The Sunshine, mischen wir eben. Momentan konzentrieren wir uns mehr auf unser deutsches Album, weil wir viele Themen-Songs (z.B. Hater) haben und wir auch mehr live spielen wollen. Dennoch werden wir auch unsere englischen Songs schreiben – mit mehreren Sprachen zu arbeiten, vervielfältigt einfach die kreativen Möglichkeiten. Außerdem sind unglaublich viele englische Worte bereits eingedeutscht: nice, updaten, covern etc. werden wie Deutsch benutzt.


KURZE FRAGEN, KURZE ANTWORTEN

 

Welcome to Europe oder ESC?

Beides.

 

30 Grad oder 16 Grad?

Alandra: 25. Alessja: 16.

 

Bühne oder Studio?

Alandra: Studio. Alessja: Bühne.

 

Pop oder Rock?

Pop Rock.

 

Romance oder Thriller?

Alandra: Thriller. Alessja: Romance à la Shakespeare.

 

Mathe oder Deutsch?

Deutsch.

 

Studium oder Musikerkarriere?

Beides.

 

High Heels oder Sneaker?

Alessja: High Heels. Alandra: Westernboots.

 


 

Die Songproduktionen von Bunch Of Ace entstehen in Kooperation mit der Firma Drasbo Productions in Niedersachsen, die den weiteren Produktionsprozess koordinieren und auf ein internationales Netzwerk von Musik-Spezialisten zurückgreifen. Federführend ist dabei der Arrangeur und teilweise auch Co-Komponist Edgar Jass, der mit dem aus Riga stammenden Toningenieur Pauls Dāvis Megi und dem Mastering-Experten Svante Forsbäck zusammenarbeitet.