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It‘s celebration time


Gregorian feiern 25 Jahre Masters Of Chant

Von Frank ´Otti´ van Düren

Mit ihrem außergewöhnlichen Hybrid aus klerikalen-gregorianischen Chören und Pop-/Rock-Musik haben Gregorian ihr eigenes Genre erschaffen. Nun feiert das monumentale Großprojekt 25-jähriges Jubiläum. Ein perfekter Anlass, um mit dessen Schöpfer und Produzenten Frank Peterson ausführlich über die Geschichte von Gregorian, seine Arbeitsweise und das Jubiläumsalbum 25/2025 zu sprechen.

 

Wie hat eigentlich alles angefangen mit Gregorian?

Das erste Mal kam ich mit Gregorianik durch den Film Der Name der Rose in Berührung – das sprach mich irgendwie an. Ich war damals vielleicht 16 Jahre alt und habe damals noch nicht realisiert, was man damit machen könnte, aber es hat etwas in mir getriggert. Meine musikalische Karriere begann dann als Keyboarder bei Sandra und ich habe lange mit Michael Cretu zusammengearbeitet. Seinerzeit wohnte ich in Spanien und war mit meiner Freundin mal ein Wochenende in Madrid. Da meinte sie: Lass uns doch mal zum El Escorial fahren. Das ist eines der größten Klöster der Welt und Unesco-Welterbe: Es liegt etwas außerhalb Madrids. Dort trug es sich zu, dass ich Musik über den Walkman hörte und gleichzeitig lief Gregorianik über die Lautsprecher. Das vermischte sich in meinen Ohren und ich dachte mir: Bingo!

Ich bin dann sofort in einen Plattenladen gefahren und habe mir alle Gregorianik-CDs gekauft, die es gab. Die waren auch ziemlich eingestaubt, weil das sonst ja keiner kauft. Ich habe sie mit nach Ibiza genommen und wir haben losgelegt. Innerhalb eines halben Tages entstand ein Welthit! Das war Sadeness, Part I von Enigma seinerzeit.

Das hat ein ganzes Genre definiert. Diesen ganze Chillout- und New Age-Hype haben wir eigentlich gestartet. Cretu hat diesen Weg weiter verfolgt. Ich selbst wollte zehn Jahre nach Sadeness wieder etwas mit Gregorianik machen, habe dann aber das Pferd anders herum aufgesattelt. Statt echte Gregorianik auf einen Popsong zu legen habe ich überlegt, wie es wäre, Popsongs in Gregorianik zu verwandeln. Und so entstand Gregorian – vor nunmehr 25 Jahren.

 

Das erste Album war damals Masters Of Chant und das feiert ihr jetzt auch. Bevor wir darauf kommen, lass uns kurz über The Dark Side Of The Chant sprechen, was auch sehr spannend war. Was verbindet Dich mit Bands wie Within Temptation, Unheilig oder auch Depeche Mode?

Diese Choräle eignen sich ja nun nicht für Party-Musik! Das ist ja eher mystisch, ein bisschen dunkel und passt auch besser in die dunkle Jahreszeit. Daher war es ein sehr kleiner Schritt hin zu diesen Interpretationen. Es ist natürlich schwieriger, einen Song von DJ Bobo, Maite Kelly oder DJ Ötzi für Gregorian umzusetzen, als es mit Within Temptation ist. Hinzu kommt: Ein Großteil meiner CD-Sammlung umfasst schon die härtere Gangart.

 

Hast du da ein paar Beispiele?

Eigentlich stehe ich auf Classic Rock! Fleetwood Mac, Eagles, Journey, Foreigner... Ich mag Kiss sehr gerne und liebe AC/DC! Ich stehe auch total auf Nazareth – auf alles, was so ein bisschen härter klingt, aber dennoch melodiös ist. Mit Metallica oder auch Iron Maiden, kann ich nicht so viel anfangen. Es muss gute Hooks haben, gute Melodien – und in die „Fresse“ gehen.

 

Wie viel Spielraum hast Du bei den Arrangements für Gregorian?

Ich versuche, nicht zu nah am Original zu bleiben. Wenn mir nichts anderes, nichts grundlegend Verschiedenes zu einer Nummer einfällt, dann mache ich sie nicht. Ich will nicht unbedingt von „Verbessern“ sprechen, aber bei Nothing Else Matters von Metallica beispielsweise haben wir daraus eine epische, nach Klassik oder auch einem Soundtrack anmutende Nummer gemacht. Und es erfüllt mich schon mit Stolz, wenn selbst Hardcore-Fans der Band erst beim Refrain merken, dass es eigentlich von Metallica ist. Einige Stücke sind weit entfernt vom Original, wie beispielsweise Frozen von Madonna – das ist ein völlig anderes Arrangement. Während Engel von Rammstein ganz nah dran ist – leider, denn die Nummer ist schon hundertprozentig perfekt, so wie sie ist.

 

Bekommt man da auch mal Feedback von den Original-Künstlern?

Ich habe positives Feedback von Steve Lukather bekomme, den ich mal kennengelernt habe. Er fand unsere Version von I Won‘t Hold You Back toll! Ritchie Blackmore fand es auch gut, da gab es sogar mal die Idee, dass wir gemeinsam auf eine Tour gehen. Wir haben sowohl von Deep Purple als auch von Rainbow mal Songs gecovert. Dann gab es auch ein gutes Feedback von Kiss, die unsere Version von Crazy Crazy Nights auf ihrer Website geteilt haben. Das fand ich sehr geil!

 

Nun brauchst du für Gregorian ja tolle Sänger und Sängerinnen. Wie wählst Du diese aus? Suchst Du auf YouTube nach spannenden Newcomern, die von dir produzierte Songs interpretiert haben?

Normalerweise habe ich für so etwas keine Zeit. Es gibt aber ein Beispiel, nämlich Narcis, der hat einen Song von Sarah Brightman gecovert. Den habe ich durch Zufall entdeckt. Der hat sich einfach ein Playback von mir genommen – ich habe bis heute keine Ahnung, wo er das her hatte – und hat da drauf gesungen. Und das war unglaublich! Den habe ich dann kontaktiert und ihn gefragt, ob wir nicht mal zusammenarbeiten wollen. Das ist jetzt etwa acht Jahre her und seitdem ist er festes Mitglied bei Gregorian. Das war aber echt Zufall. Für Gregorian habe ich in England einen sogenannten „Choir Fixer“, der dann immer dafür sorgt, dass wir das bestmögliche Ensemble im Studio haben. Und davon ausgehend wird auch das Ensemble für die Tourneen gebucht.

 

Nun feiert ihr – wie eingangs schon erwähnt – das 25-Järige Jubiläum mit dem Album 25/2025 und der zugehörigen Tour. Wie habt ihr beim Album die Tracklist zusammengestellt?

Die Idee war es eigentlich, ein „Best Of“-Album zusammenzustellen, was wir aber auch schon vor fünf Jahren gemacht haben – zum 20-jährigen Jubiläum. Und ich glaube, es gibt kaum Überschneidungen zwischen den beiden Alben, denn die Frage ist doch: Was ist bei Gregorian ein „Best Of“? Alles was wir machen sind doch Perlen der Popmusik. Und daher erstelle ich die Setlist nach dem Prinzip, dass beispielsweise Songs dabei sein sollten, die wir schon lange nicht mehr gespielt haben; aber natürlich sollen auch neue dazukommen. Und das Album basiert dann vor allem auf der Setlist für die Tournee. Die Songauswahl habe ich bisher jedes Jahr neu gemacht. Hätte ich vor 25 Jahren bereits diese riesige Liste mit Songs zur Auswahl gehabt, dann würden die Alben ja immer schlechter werden, weil man natürlich die besten Songs zuerst für eine Bearbeitung in Erwägung zieht. Deswegen fange ich jedes Jahr neu an. Alles, was mich innerhalb des Jahres umgetrieben hat, was ich gehört habe oder wo ich einfach denke, das müssten wir mal machen, das nehmen wir dann auf. Wir fangen also jedes Jahr von neuem an!

 

Das ergibt Sinn! Es kommen ja auch immer neue Sachen dazu. Blinding Lights ist ja zum Beispiel auch noch recht neu, das hättest du vor 25 Jahren noch nicht aufnehmen können.

Stimmt, da gab es die Nummer noch nicht. Was mir in den letzten 25 Jahren aber auch zunehmend auffällt, ist die Tatsache, dass leider nicht viel gutes Songmaterial nachkommt.Bauch Beine Po können wir halt nicht machen. Wenn viele solcher Songs die Charts dominieren, dann ist halt die Ausbeute ein bisschen schmaler. Daher ist auch der einzig aktuelle Song auf dem Album der von The Weeknd. Ansonsten sind es weitestgehend Stücke aus den 70ern, 80ern und 90ern.

 

Aktuell ist Rap sehr angesagt, aber das lässt sich gregorianisch vermutlich nur schwer umsetzen, oder?

Witzigerweise haben wir mal Kashmir von Led Zeppelin gemacht, auf der „Epic Chants“-Tour, bei der es um Soundtracks ging. Und der Song war kurz vorher mit einem Part von Puff Daddy Teil des Godzilla-Soundtracks. Das wollten wir umsetzen und hatten tatsächlich einen Sänger, Bobby Byblos hieß der, der perfekt rappen konnte. Und dann haben wir einfach die Version mit Puff Daddy umgesetzt. Das würde ich heute natürlich nicht mehr machen, aber damals war der Mann noch unbescholten. Auf der Tour haben wir dann tatsächlich den Rap-Part eingebaut. Aber Bobby ist nicht mehr dabei und aktuell haben wir niemanden im Cast, der rappen könnte. Deswegen ist die Nummer nicht mehr im Programm.

 

Gab es denn auch Songs, die du gerne gemacht hättest, aber an denen du dir die Zähne ausgebissen hast?

Also es gibt Songs, die ich total liebe, die ich aber nicht machen möchte. Einfach weil ich denke, dass wir es nicht besser hinbekommen, als das Original. Es gibt auch Songs, bei denen mich beispielsweise der Gesang total bewegt. Das sind Tracks, bei denen ich denke, dass ich ihnen kein anderes, kein neues Leben einhauchen kann; das wäre in meinen Augen fast blasphemisch. Ein Beispiel hierfür wäre The Winner Takes It All. Das ist für mich ein perfekter Song! Was sollte ich dem noch abgewinnen? Es gibt aber auch Songs, wie das vorhin erwähnte Frozen, die man mit dem Chor aufnimmt und man kommt irgendwie auf keinen grünen Zweig, wie man das Stück umsetzen könnte. Und dann erschien einige Jahre später das Dark Side-Album und irgendjemand hatte die Idee, den Song einfach als Nu-Metal-Nummer zu interpretieren. Und dann machte es plötzlich „Klick“ – die Gesänge hatten wir noch vorliegen – wir probierten es auf diese neue Art erneut und es funktionierte!


Das heißt, es gibt immer auch ein paar Baustellen im Hintergrund bei denen Du sagst, da kann man weiter dran arbeiten, wenn der richtige Moment kommt?

Auf dem neuen Album ist Such A Shame vertreten; das hatten wir vor fünf oder sechs Jahren aufgenommen und auch dazu hatten wir damals keine Idee. Aber mein Team ändert sich immer etwas, d.h. es kommen neue Leute, neue Arrangeure mit neuen Ideen dazu, die mitwirken. Dann schaut man nochmals auf die Festplatten und auf einmal meint jemand: Such A Shame? Gibt mir das mal, da hätte ich vielleicht was. Und dann komme ich dazu, spiele einen Bass ein und plötzlich groovt die Nummer ganz anders. So läuft erfolgreiches Teamwork bei uns!

 

Und mit all dem seid ihr nun auf auch auf Tournee, um das Jubiläum zu feiern.

Ja, die Tour umfasst insgesamt etwa 85 Termine. Wir machen Ostern eine kleine Pause, dann beginnt der zweite Teil der Tournee. Und im September/Oktober geht es dann irgendwann weiter.

 

 

 

GREGORIAN

25/2025

(earMUSIC)

bereits erschienen

 

 

„Es ist natürlich schwieriger, einen Song von DJ Bobo, Maite Kelly oder DJ Ötzi für Gregorian umzusetzen, als es mit Within Temptation ist.“

 

„Dann gab es auch ein gutes Feedback von Kiss, die unsere Version von Crazy Crazy Nightsauf ihrer Website geteilt haben. Das fand ich sehr geil!“

 

„Was mir in den letzten 25 Jahren aber auch zunehmend auffällt, ist die Tatsache, dass leider nicht viel gutes Songmaterial nachkommt. Bauch Beine Po können wir halt nicht machen.“

 

„Alles, was wir machen, sind doch Perlen der Popmusik!“

 

 

 

KASTEN MIT SILHOUETTE DER SÄNGER

 

Neben Frank Peterson als Produzenten sind natürlich die Sänger*innen ein entscheidender Faktor für den Erfolg von Gregorian. Wir haben drei der britischen Vokalisten ebenfalls einer kleinen Befragung unterzogen.


Was sind aus eurer Sicht Frank Petersons größte Stärken als Produzent – aber auch als Mensch?

Ted Hands: Frank hat ein unheimliches Gespür dafür, den richtigen Groove und Song für den Moment zu finden. Ich schätze, dies ist der Grund für seinen Erfolg. Er hat auch die Gabe, die richtigen Leute zusammenzubringen, damit die Dinge funktionieren.

David Tilley: Frank hat eine einzigartige Kombination aus Talenten und Fähigkeiten, die es ihm ermöglicht haben, bei den Songs, die er arrangiert, mutig und kreativ zu sein und ein Team um sich zu scharen, das seine Vorstellungen in die Realität umsetzt.

Narcis: Er ist sehr professionell und fürsorglich, aber auch lustig. Er hat eine unglaubliche Vision in Bezug auf Musik und einen sehr kreativen und inspirierten Geist.

Welcher Song des aktuellen 25/2025-Livesets und Albums ist euer Favorit? Und warum?

Ted Hands: Ich persönlich liebe es, Angels im A-Capella-Teil zu singen.

David Tilley: Ich liebe Engel, weil wir damit die rockigere Seite unserer Stimmen zeigen können.

Narcis: Für mich ist es Gloria, da es meine erste Zusammenarbeit mit Gregorian war und alles damit begonnen hat.


Wenn ihr die freie Wahl hättet, welche Lieder Frank und sein Team für Gregorian arrangieren sollten – welches wären es?

Ted Hands: Ich würde mir gerne anschauen, wie er ein Lied der mongolischen Band The Hu arrangiert und Gregorian dazu bringt, es in Zusammenarbeit mit ihnen aufzunehmen. Ich denke, das wäre ein faszinierendes und spannendes Projekt.

David Tilley: Meat Loafs I'd Do Anything For Love wegen seiner bombastischen Darbietung der zeitlosen Geschichte von Liebe und Hingabe.

Narcis: Ich weiß es ehrlich gesagt nicht. Ich glaube definitiv, dass Frank neue Sounds finden wird.

 

Euer Tourplan ist wirklich umfangreich. Was sind die größten Herausforderungen, um jeden Abend einhundert Prozent geben zu können?
Ted Hands: Müdigkeit ist definitiv eine Herausforderung, denn um die bestmögliche Leistung abzuliefern, sind Konzentration und Fokus erforderlich.

David Tilley: Es ist entscheidend, auf sich selbst zu achten – stimmlich, körperlich und geistig. Das Reisen ist anstrengend, aber auch unterhaltsam.

Narcis: Ausgeruht und gesund zu sein ist ein Muss. Und meine Stimme ist sehr empfindlich, also muss ich sie für jedes Konzert trainieren.


Was war bisher euer intensivster, magischer Moment auf der Bühne?
Ted Hands: Das Kyrie aus dem Victoria Requiem vor 6.000 Menschen im Herodion in Athen aufzuführen – das war wirklich magisch.

David Tilley: Unser erster Besuch in Athen im Jahr 2013 während der Epic Chants-Tour bleibt mir in Erinnerung – unsere Version von Led Zeppelins Kashmir, in die ein Rap-Abschnitt aus Puff Daddys Come With Me eingefügt war, war eines der absoluten Highlights.

Narcis: Als wir zum ersten Mal in einer Arena auftraten, war es etwas Magisches, diesen Applaus zu hören.


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