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Musik ist dann gut, wenn sie berührt


Dank Louis Philippson erreicht die moderne Klassik nun auch die junge Generation

„Für mich gibt es keine gute und schlechte Musik. Musik ist dann gut, wenn sie berührt, wenn sie Spaß macht oder wenn ihr sogar beides zugleich gelingt.“


Text: Steffen Rüth

LOUIS PHILIPPSON

Exposition

(Sony Classical)

Bereits erschienen

Es ist ja nicht so leicht, klassische oder klassisch anmutende Musik der Jugend nahezubringen, aber wenn dieses Kunststück gerade jemand zu vollbringen versteht, dann ist das Louis Philippson. Der Mann kommt aus Mülheim an der Ruhr, heißt in Wirklichkeit anders und spielt auf seinem ersten Album Exposition Klavier wie ein junger Gott.

 

Aber das tun andere auch. Philippson, 21 Jahre alt, ist jedoch nicht nur ein – den Ausdruck hört er nicht so gern – Pianowunderkind gewesen. Klar, er fing schon auf dem Klavier der älteren Schwester an zu klimpern, als er kaum laufen konnte, sagt er. Und er ist gerade mal acht, als eine Professorin an der Robert-Schumann-Hochschule für Musik in Düsseldorf auf ihn aufmerksam wird und ihn unter ihre Fittiche nimmt. Ein Nerd, den außer Pianospielen nichts interessiere, sei er jedoch nie gewesen. „In der Schule hatte ich gute Noten. Ich wollte eigentlich Medizin studieren, deswegen habe ich mir viel Mühe gegeben beim Abi. Doch kurz vor Ende der Schulzeit konnte ich plötzlich kein Blut mehr sehen. Ansonsten habe ich früher viel Basketball gespielt und bin gern geschwommen. Und wenn ich jetzt mal wieder mehr Zeit haben sollte oder fest an einem Ort wohne, würde ich gerne wieder mit Tennis anfangen.“ Und auch Mathematik mag er seit jeher gern. „Man denkt das nicht, aber es ist gar nicht so ungewöhnlich, eine Vorliebe für Musik und für Mathe zu haben. Das hat irgendwas mit den Synapsen im Gehirn zu tun. Mittlerweile habe ich mich im Studium allerdings auf Marketing spezialisiert.“

 

Inzwischen hat der Bahnvielfahrer Philippson auch eine Wohnung in Berlin, und In Düsseldorf studiert er aktuell Musik und internationale Wirtschaft – und er weiß sich zu vermarkten. Früh stellt er YouTube-Clips ins Netz, die ihn beim Klavierspielen zeigen. Mittlerweile ist er als „lockerlouis“ längst auch auf TiKTok unterwegs, hat dort 700.000 Follower und moderiert quasi nebenher noch beim ZDF und für Toggo die Sendung Toggomania. „Ich war nie so der abgehobene Typ“, so Louis, „der sich verkrochen und nur noch den ganzen Tag geübt hat. Meine Jugend war ganz normal. Ich habe Freunde und andere Hobbys. Die Klassik war für mich auch nie etwas Elitäres, ich bin ja mit dieser Musik aufgewachsen – mit Bach oder Schostakowitsch. Aber ich höre auch andere Musik. Ich stehe auf K-Pop, auf Rock und auf Hip-Hop. Und müsste ich mich auf einen Lieblingskünstler festlegen, dann wäre das Bruno Mars.“ Auch Michael Jacksons Musik schätze er sehr.

 

Von beiden hat Louis auf seinem Album Exposition allerdings keinen Song gecovert. Für sein Debüt hat er eigene Stücke komponiert, die in Richtung Neoklassik gehen und an die entspannte Kunst des Kollegen Ludovico Einaudi erinnern. Zudem spielt er einige Klassikstücke, etwa von Tschaikowsky, und er zeigt, was er aus dem K-Pop-Hit OMG macht. Mit Lover’s Oath oder A Town With An Ocean View hat er auch Musik aus japanischen Animé-Filmen in petto. „Ich spiele einfach das, was ich selber mag“, erklärt Louis die Auswahl seiner Stücke. „Mir ist wichtig, dass meine Musik authentisch ist. Ich möchte Klassik für alle machen, dazu zählt dann auch Popklassik oder Neoklassik oder wie immer man es auch bezeichnen möchte. Für mich gibt es keine gute und schlechte Musik. Musik ist dann gut, wenn sie berührt, wenn sie Spaß macht oder wenn ihr sogar beides zugleich gelingt.“

 

Demnächst bricht Louis Philippson zu seiner ersten richtig großen Tournee auf. Man sollte annehmen, dass der Junge wenigstens leicht nervös ist. Aber von wegen. „Nö, Nervosität spüre ich überhaupt nicht. Ich freue mich sehr auf die Tour. Ich werde einfach rausgehen und Klavier spielen.“


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